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„Das große Los“ von Meike Winnemuth

Rezension des Buches „Das große Los“ von Meike Winnemuth, Albrecht-Knaus-Verlag, München, 2013

Das große Los fbStellen Sie sich vor, Sie haben einen Sechser im Lotto. Was würden Sie mit dem Geld machen? Meike Winnemuth hat „nur“ eine halbe Million bei „Wer wird Millionär?“ gewonnen. Und was tut sie mit dem Geld? Sie entschließt sich, ein Jahr auf Weltreise zu gehen – jeden Monat in einer andere Stadt zu verbringen, wenn möglich in einer Privatwohnung, die sie sich für einen Monat mietet: So kommt sie nach Sidney, Buenos Aires, Mumbai, Shanghai, Honolulu, San Francisco, London, Kopenhagen, Barcelona, Tel Aviv, Addis Abeba und Havanna. Aus dieser Reise hat sie ein Buch gemacht, verpackt in Briefen an ihre verschiedenen Freunde. Und sie erlebt unglaubliche Dinge…

Selten habe ich ein Buch gelesen, dass so interessant und spannend geschrieben ist und gleichzeitig vor Lebensweisheiten und Erkenntnissen überquillt. Pro Station ein Brief. Am Ende jedes Briefes fasst sie in zehn Punkten zusammen, was sie in dieser Reiseetappe gelernt hat. Das letzte Kapitel handelt von der Zeit nach der Rückkehr, zurück in Hamburg – ihrer Heimat.

Hier nur drei Zitate, die mir besonders gefallen, weil sie ein großes Stück Weisheit enthalten:

„Wer bin ich, wenn keiner zuguckt?“

„Man darf sein Leben nicht damit verschwenden, Erwartungen zu erfüllen.“

„Es hilft manchmal, das Leben von hinten her zu denken: Worauf möchte ich mal zurückblicken können, was möchte ich getan haben?“

Fast all ihre Lebensweisheiten könnte ich unterschreiben. Das sehe ich ganz genauso. Meike Winnemuth spricht mir sozusagen aus dem Herzen. Nur eine ihrer Erkenntnisse möchte ich etwas relativieren: Meike Winnemuth meint, dass man statt sich immer für das eine oder andere zu entscheiden, doch lieber sowohl als auch machen sollte. Sie ist der Meinung, dass das auch geht, denn sie kann ja auch reisen und gleichzeitig arbeiten, kann in der Fremde weilen und trotzdem Kontakt über Skype und E-Mail mit der Heimat halten.

Sicher, das mag manchmal gehen. Man kann sogar Sachen miteinander verbinden, die zunächst widersprüchlich erscheinen. Doch auch mit einer Entscheidung für beides entgeht einem ein Teil. So ist das Leben. Wir können eben nicht eine Sekunde zweimal leben. Unsere Präsenz und Aufmerksamkeit können wir nicht wirklich teilen. Entweder arbeiten wir in diesem Moment oder wir genießen unsere Freizeit. Entweder bleiben wir oder wir gehen. Entweder sind wir wach oder wir schlafen.

Wenn man zwei Sachen unter einen Hut bringt, dann bedeutet das eben auch, zeitliche Abstriche zu machen: Berufstätige Mütter, nebenberuflich Selbständige oder Menschen mit zwei Wohnsitzen verstehen sicher, was ich meine. Das kann auch ein Lebensweg sein – ohne Frage. Doch trotzdem müssen wir in jeder Sekunde entscheiden: arbeite ich jetzt oder kümmere ich mich um mein Kind? Tue ich jetzt etwas für meine Selbständigkeit oder arbeite ich als Angestellte für ein Unternehmen? Bin ich jetzt im Wohnsitz A oder B? Man kann verschiedene Rollen miteinander vereinen, doch jeden Moment muss man sich entscheiden, welche Rolle man gerade einnehmen möchte bzw. welche gerade die größte Priorität hat. Darum kommen wir einfach nicht herum.

Nach ihrer einjährigen Reise stellt Meike Winnemuth schließlich überrascht fest, dass sie weniger Geld gebraucht hat als erwartet, da sie die ganze Zeit nebenbei gearbeitet hat. Schön, wenn man eine Arbeit hat, die man von überall in der Welt, bei freier Zeiteinteilung, erledigen kann.

Dieses Buch macht Lust zum Nachahmen. Einfach mal wegfahren und den Alltag hinter sich lassen. Ein Traum, den sich nur die wenigsten erfüllen (können). Schade eigentlich. Aber im Kleinen wenigstens können die meisten von uns reisen. Statt ein Jahr lang jeden Monat woanders, vielleicht jedes Jahr ein paar Wochen woanders. Wir müssen uns dann nur darauf einlassen, auf die fremden Menschen, die fremden Kulturen. Reisen bildet, sagt man ja so schön. Wir lernen damit, unsere eigene Perspektive zu erweitern. Das kann sehr hilfreich sein in unserem Alltag.

Drum empfehle ich das Buch für alle, die gerne reisen und Neues entdecken, also nicht nur drei Wochen an einem Strand abhängen wollen. Die meisten im Buch geschilderten Städte kenne ich persönlich noch nicht. Jetzt habe ich einige Reiseziele mehr im Leben. Diese Reiseberichte in Briefform haben mir Städte nähergebracht, die mich vorher überhaupt nicht gereizt haben. Toll.

Aber jetzt mal ehrlich: Was würden Sie mit einer halben Million Euro machen?

2 Kommentare

  1. Läuft es denn nicht stets auf:
    „Wer bin ich, wenn keiner zuguckt?” hinaus?

    Deine Frage wird wohl jede und jeder mit der ganz eigenen Vorstellung von Selbstverwirklichung beantworten, oder?!

    Ich würde dann wohl mit Saxophonunterricht und einem Architekturstudium zur eigenen ‚Bereicherung‘ beginnen …

    Und jetzt frage ich mich, warum tue ich dies eigentlich nicht auch, ohne diesen Lottogewinn im Rücken?

    Gudrun, ich danke Dir für diese Anregung!

    • Lieber Carsten, danke für Deinen Kommentar. Du hast Recht: Selbstverwirklichung bedeutet für jeden etwas anderes.

      Und ja: ich glaube auch, dass wir ganz oft unsere Träume verwirklichen könnten, uns aber manchmal einfach nicht trauen, den ersten Schritt zu gehen. Wir Menschen sind halt Gewohnheitstiere und bleiben gerne in unserem Alltagstrott, auch wenn er uns nicht unbedingt glücklich macht. Und am Ende unseres Lebens fragen wir uns dann: Warum haben wir eigentlich nicht…

      Also: viel Spaß beim Saxophonlernen und Architektur studieren!